14. Isnyer Energiegipfel bringt Greifbares zur Umsetzung

Guntram Fischer, der Vorsitzende von REFI redete bei seiner Begrüßung zum 14. Energiegipfel Klartext: „Wir müssen den CO2-Anstieg in der Atmosphäre beenden, mit der Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl und Gas aufhören und unseren Nachkommen eine Umwelt hinterlassen, in der diese weiter existieren können. Und wir müssen definitiv weg von fossilen Energieträgern wie Öl, Gas, Kohle und Uran.“ Auf dieses Ziel hat das Organisationsteam die Wahl der Vortragsthemen und dazu natürlich die Auswahl der Referenten und Referentinnen ausgerichtet. Der Samstag war sehr gut besucht, bedauerlicherweise waren am Sonntag die Besucher spärlicher, obwohl auch diese Vorträge für viele interessant gewesen wären.
Das begann schon beim ersten Thema Geothermie. Geologe Daniel Bendias erklärte unterhaltsam, was Tiefengeothermie ausmacht, wie die geologischen Bedingungen dafür aussehen müssen – in und um Isny leider nicht ausreichend gegeben – und wie München Fernwärme daraus macht. Umwelt- und Bauingenieurin Lena Frühschütz machte fachlich deutlich, dass jedoch oberflächliche Geothermie erfolgreich und wirtschaftlich genutzt werden kann und das auch vielfach schon erfolgt.
Strom flächig mit PV zu erzeugen und die Fläche gleichzeitig weiter landwirtschaftlich zu bewirtschaften, ist sinnvoller, als nur Anlagen auf die Wiese zu stellen und „ein paar Schafe darunter stellen“. Benjamin Hofbauer erläuterte die Vorteile nachvollziehbar. Wenn dann noch ein Anergienetz unter der Erde liegt, wird jeder Hektar dreifach im Sinne der Energiewende genutzt. Armin Schneider führte aus, wie Wärmeversorgung mit kaltem Nahwärmenetz und Wärmepumpen dekarbonisiert werden kann.
Es gibt schon viele Leute, die einfach machen und gute Beispiele liefern. Steffen Riedel wurde für sein Praxisbeispiel mit Umbau, Aufstockung und Sanierung eines Mehrgenerationenhauses von der EZA für preiswürdig befunden und konnte auch beim Energiegipfel überzeugen.
Wärmepumpen sind das Mittel der Wahl für eine Heizung ohne fossile Energieträger. Martin Fischbacher aus Tirol referierte über ein natürliches Kältemittel im Wohnbau. R290 bringt Wärmepumpen nochmals einen ökologischen Schritt voran.
Es gibt noch viel Potential beim Ausbau von PV- und Speicherlösungen im Allgäu und in Oberschwaben. Jürgen König zeigt die Möglichkeiten auf. Mit Home-Energiemanagementsystemen lassen sich das Zusammenspiel von Batteriespeicher, E-Auto und Wärmepumpe optimieren und auf Wunsch auch flexible Strompreise nutzen. Darüber sprach Roland Burger.
Ein echter Höhepunkt war der Abend-Vortrag von Professor Maximilian Fichtner, der zum dritten Mal beim Energiegipfel dabei gewesen ist. Er wird gern als „Batteriepapst“ bezeichnet und dass das seine Berechtigung hat, wurde mehr als deutlich, dabei ist er in der Lage, technische Zusammenhänge auch für Laien verständlich zu machen. Fichtner scheute sich obendrein nicht, politische Fehlentscheidungen anzuprangern, die angesichts der Klimawandel-Fakten und der globalen politischen Schieflage umso unverständlicher sind.
Am Sonntag stellte Wolfgang Friedl vor, wie er seinen eigenen Betrieb energieeffizient umgestellt und einen hohen Grad von Autarkie erreicht hat. Gerade bei diesem Vortrag hätte REFI mehr Vertreter von örtlichen Unternehmern erwartet.
Simon Weiß sprach anschließend über die umfangreichen Fördermöglichkeiten und Zuschüsse bei energetischer Sanierung und Nutzung von erneuerbaren Energien im Gebäudebestand oder beim Neubau.
Leider war der Referent für den Vortrag „Agri-PV aus Sicht der Landwirtschaft“, krankheitsbedingt nicht in der Lage, zu kommen. Guntram Fischer glich das mit seinem fachkundigen Vortrag zu Agri-PV sehr gut aus.
Faszinierend war auch das, was die Architektin Astrid Schneider zum Thema bauwerksintegrierte PV-Möglichkeiten berichtete. Hat sie doch schon in den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts gemeinsam mit Mitstreitern geschafft, dass das Regierungsviertel mit PV belegt wurde. Schneider kann als Pionierin auf diesem Gebiet bezeichnet werden und ihre vielen Beispiele, auch im denkmalgeschützten Bereich, warfen die Frage auf, warum man eigentlich nicht schon viel länger, viel mehr macht.
Zum guten Schluss stellten David Amann und Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums (teils ehemalige) ihr Energiehaus vor. Ein hervorragendes Beispiel, was geht und was Schule fürs praktische Leben zu leisten vermag.
Wie sagte Guntram Fischer doch so schön: „Es ist alles da, wir müssen nur machen“. Dem Klima auf unserer Erde wäre zu wünschen, es würden mehr machen und nicht aus ideologischen Gründen verhindern, weil die fossile Industrie eine zu starke Lobby hat.